Katharina BergPraxis-Handbücher für Lehrkräfte
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Als Lehrer abschalten: Wie gelingt der Feierabend?

Legen Sie Ihren Feierabend selbst fest, denn für Vorbereitung und Korrektur setzt meist niemand eine Uhrzeit. Entscheiden Sie an der Tür, ob und bis wann Sie heute noch arbeiten. Schreiben Sie Offenes mit Termin auf einen Zettel, stellen Sie Dienst-Mail und Schulplattform stumm und geben Sie wiederkehrenden Gedanken eine feste Viertelstunde am frühen Abend.

Warum fällt Lehrkräften das Abschalten so schwer?

Abschalten meint in der Arbeitspsychologie den gedanklichen Abstand zur Arbeit: in der freien Zeit weder an Unterricht und Noten denken noch nebenbei etwas vorbereiten. Eine Meta-Analyse von Wendsche und Lohmann-Haislah (2017) fand, dass Beschäftigte, die nach der Arbeit abschalten können, weniger Erschöpfung und besseren Schlaf berichten. Wer in der Freizeit arbeitet, schaltet schlechter ab. Das sind Zusammenhänge aus vielen Berufen, keine Studien an Lehrkräften allein.

Bei Lehrkräften kommt hinzu, dass die Arbeit mit nach Hause wandert: der Stapel in der Tasche, die Plattform auf dem Handy, das Gespräch mit einem Vater, das beim Abendessen zurückkommt. In der Mitgliederbefragung des Deutschschweizer Lehrerverbands LCH fiel die Zustimmung zum Satz, nach dem Arbeitstag oft Mühe beim Abschalten zu haben, 2024 im Schnitt stärker aus als 2014 (Mittelwert 3,69 statt 4,06 auf einer Skala von 1 bis 6, niedriger heißt mehr Zustimmung).

Wann haben Lehrer eigentlich Feierabend?

Für den Unterricht gibt es einen Stundenplan, für Vorbereitung, Korrektur und Elternkontakt legt meist niemand eine Uhrzeit fest. Deshalb endet der Arbeitstag nicht von selbst. Wie viel insgesamt zusammenkommt, zeigt die Berliner Arbeitszeitstudie 2023/24, in der Lehrkräfte ein Jahr lang ihre Zeit erfassten: Rechnet man die gesamte Jahresarbeitszeit auf die Schulwochen und eine volle Stelle um, ergibt sich eine Durchschnittswoche von rund 50 Stunden. Die Teilnahme war freiwillig, die Studie ist also nur eingeschränkt repräsentativ.

Eine Arbeitsmenge, die regelmäßig nicht in die Arbeitszeit passt, ist kein Fehler in Ihrer Abendplanung. Sie gehört ins Gespräch mit der Schulleitung, in Deutschland auch mit dem Personalrat. Was Sie selbst bestimmen, ist der Zeitpunkt, an dem der Schultag für heute endet. Treffen Sie die Entscheidung an der Tür, noch mit der Jacke an, nicht später auf dem Sofa: Arbeite ich heute noch, und wenn ja, bis wann? Zu dieser Uhrzeit hören Sie auf, auch mitten im Stapel.

Wie sieht ein Feierabend-Ritual aus?

Wie gut belegt? Teilweise belegt. Ein Erholungstraining aus zwei Sitzungen, geprüft in einer Studie ohne zufällige Zuteilung mit 95 Beschäftigten verschiedener Organisationen, nicht gezielt an Lehrkräften (Hahn und Kollegen, 2011), ging damit einher, dass die Teilnehmenden drei Wochen später weniger Stress berichteten. Für die emotionale Erschöpfung ließ sich kein Effekt nachweisen. Ein Ablauf wie dieser wurde nicht eigens untersucht. Er dauert drei Minuten an der Stelle, an der Ihr Dienst endet, an der Wohnungstür, im Auto auf dem Lehrerparkplatz oder am Schreibtisch nach der letzten Arbeitszeit:

  • Offene Punkte auf einen Zettel, jeder mit Stichwort und dem Zeitpunkt, an dem Sie sich darum kümmern. Der Zettel kommt oben in die Tasche.
  • Tasche zu und an einen Platz, an dem Sie abends nicht dauernd vorbeigehen. Auf den Esstisch gehört sie nicht.
  • Ein Wechselsignal, das Sie jeden Tag ohne Nachdenken wiederholen können: Hemd wechseln, im Auto einen anderen Sender einschalten.
  • Dienstgerät zuklappen, Dienst-Mail und Schulplattform auf dem Handy stumm schalten, soweit Ihre Schule nichts anderes regelt. Vorher einmal nachsehen, ob morgen eine Vertretung eingetragen ist.

Was tun, wenn der Kopf abends nicht aufhört?

Nachdenken endet bei einem nächsten Schritt, Grübeln kreist um dieselbe Frage: Warum hat er das gesagt, was denkt sie jetzt von mir? Der Vorsatz, nicht mehr daran zu denken, hält selten. Leichter geht es mit einem Termin. Schreiben Sie tagsüber auf, was sich meldet, in drei, vier Wörtern, und sagen Sie sich: „Das kommt später dran.“ Am frühen Abend nehmen Sie sich höchstens fünfzehn Minuten, mit Wecker, an einem festen Platz, möglichst nicht im Schlafzimmer.

In dieser Viertelstunde fragen Sie bei jedem Stichwort, ob es einen nächsten Schritt gibt. Gibt es einen, bekommt er einen Termin im Kalender. Gibt es keinen, kommt das Thema auf eine Liste „nicht lösbar“ mit einem Vermerk, was Sie damit machen: hinnehmen, Unterstützung holen oder eine Grenze ziehen. Klingelt der Wecker, hören Sie auf. Wie gut belegt? Teilweise belegt. Techniken gegen das Grübeln waren Teil eines Online-Trainings über fünf Lektionen, das Ebert und Kollegen (2014) an 150 Lehrkräften mit erhöhten depressiven Beschwerden geprüft haben. Ob eine feste Grübelzeit wie diese dazugehörte, beschreibt die Veröffentlichung nicht. Macht die feste Viertelstunde Sie nach einer Woche unruhiger, lassen Sie sie weg.

Wie regeln Sie Mails und Elternnachrichten am Abend?

Wer jeden Abend neu entscheidet, ob er noch ins Postfach schaut, hat die Mail oft schon offen, bevor er sich die Frage gestellt hat. Legen Sie einmal im Schuljahr fest, über welche Wege Eltern Sie erreichen, wann Sie lesen und innerhalb wie vieler Schultage Sie antworten, und stimmen Sie das mit der Schulleitung ab. Gilt an Ihrer Schule eine Regel, geht sie vor. Für Dringendes ist das Sekretariat zuständig, bei Sorge um ein Kind die Schulleitung.

Ein Satz für Elternbrief oder Signatur: „Ich lese Mails und Nachrichten auf der Schulplattform an Schultagen und antworte innerhalb von zwei Schultagen. Am Wochenende lese ich nicht mit.“ Läuft das Dienstpostfach auf Ihrem privaten Handy, melden Sie es dort ab und öffnen Dienstmails nur am Rechner zu Ihren Lesezeiten. Wie gut belegt? Praxiserfahrung. Eine Studie mit Lehrkräften zu solchen Vereinbarungen ist nicht bekannt, sie kostet aber einmal zwanzig Minuten und erspart jeden Abend die Einzelentscheidung.

Und wenn es trotzdem nicht gelingt?

Wer allein mit Kindern lebt, hat an der Wohnungstür keinen Feierabend, dort beginnt die zweite Schicht. Das Ritual rückt dann nach vorn: drei Minuten im Auto, bevor Sie die Kinder abholen, mit dem Zettel auf dem Lenkrad. Liegt abends noch Schularbeit an, kommt es an deren Ende. Nach einem schweren Ereignis in der Schule reicht ein Zettel nicht. Sprechen Sie dann vor der Heimfahrt mit jemandem aus dem Kollegium.

Muss am Wochenende gearbeitet werden, bekommt die Arbeit ein Fenster mit Anfang und Ende an einem der beiden Tage, der andere bleibt frei. Wie das bei Korrekturen geht, steht auf der Seite „Korrigieren ohne Wochenende“. Hält neben dem Grübeln eine Niedergeschlagenheit zwei Wochen oder länger an oder schlafen Sie über Wochen schlecht, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

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Quellen