Katharina BergPraxis-Handbücher für Lehrkräfte
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Stress als Lehrer reduzieren: Was hilft wirklich?

Positive kontrollierte Studien mit Lehrkräften gibt es für mehrwöchige Online-Trainings zu Problemlösen, Grübeln und Schlaf. Achtsamkeit, Erholungsrituale und angeleitete Gruppen sind teilweise belegt. Für einzelne Regeln zu Korrektur, Mails und Neinsagen fehlt ein eigener Wirksamkeitsnachweis, sie kosten aber wenig. Fehlende Stellen und Vertretungen löst keine Methode, das gehört zur Schulleitung.

Wie gut ist die Forschung zu Lehrerstress?

Eine Übersichtsarbeit von Beames und Kollegen (2023) hat 88 Studien zu Programmen für die psychische Gesundheit von Lehrkräften zusammengetragen. In den randomisierten Studien zeigten die Programme Wirkung auf Stress und auf Burnout-Werte. Die methodische Qualität bewerten die Autoren allerdings als insgesamt schwach („generally poor“). Außerdem verlangten die meisten Programme viel Zeit und Aufwand und lassen sich deshalb schwer in den Alltag von Lehrkräften übertragen, die die Arbeit als „time-poor“ beschreibt, als Menschen, denen chronisch Zeit fehlt.

Wie stark die Wirkung im Schnitt ausfiel, hing vom Programm und vom gemessenen Ergebnis ab, und wegen der methodischen Schwächen lässt sich nicht vorhersagen, wie viel eine einzelne Lehrkraft davon spürt. Geprüft wurden meist ganze Programme über mehrere Wochen, einige dauerten weniger als eine Woche. Die einzelnen Blätter auf dieser Seite wurden nicht für sich untersucht. Damit Sie selbst einschätzen können, worauf Sie sich verlassen, ordnet diese Seite jede Methode in eine von drei Stufen ein:

  • Gut belegt: In kontrollierten Studien mit Lehrkräften geprüft, meist als Teil eines mehrwöchigen Trainings, und dort wirksam, allerdings jeweils für eine bestimmte Gruppe, nicht für alle Lehrkräfte.
  • Teilweise belegt: Es gibt Hinweise, aber mit Haken, etwa Studien ohne Lehrkräfte, nur Zusammenhänge, kleine Effekte oder Anzeichen, dass schwache Ergebnisse seltener veröffentlicht wurden.
  • Praxiserfahrung: Kein eigener Wirksamkeitsnachweis mit Lehrkräften bekannt. Die Methode kostet wenig, und nach einer Woche merken Sie, ob sie passt.

Gut belegt: Probleme geordnet lösen, Grübeln begrenzen

Ebert und Kollegen haben 2014 an 150 Lehrkräften mit erhöhten depressiven Beschwerden ein Online-Training über fünf Lektionen geprüft, mit Problemlösen und Techniken gegen das Grübeln. Die Beschwerden gingen in der Trainingsgruppe deutlich stärker zurück als in der Wartegruppe (d = 0,59), nach sechs Monaten war der Unterschied kleiner, aber noch messbar. Auch Stress und Sorgen nahmen ab. Für die Fehlzeiten ließ sich kein Effekt nachweisen.

Für den Alltag heißt das: Ein Problem, das immer wiederkommt, bekommt ein Blatt und zehn Minuten. Beschreiben Sie es so, dass eine Kollegin es versteht, die nicht dabei war. Schreiben Sie auf, was ein gutes Ergebnis wäre, das in Ihrer Hand liegt. Sammeln Sie vier bis sechs Ideen ohne Bewertung, wählen Sie eine und planen Sie den ersten Schritt mit Termin. Was nicht lösbar ist, bekommt eine eigene Zeile: hinnehmen, Unterstützung holen oder eine Grenze ziehen. Das Blatt selbst wurde nicht separat untersucht, die Methode schon.

Gut belegt: den Schlaf in Belastungswochen schützen

Thiart und Kollegen haben 2015 ein Online-Training mit 128 Lehrkräften untersucht, deren Schlafstörung im klinischen Bereich lag und die nach der Arbeit viel grübelten. In sechs Einheiten lernten sie Methoden aus der Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen, dazu Techniken gegen das Grübeln. Die Schlafstörung nahm deutlich stärker ab als in der Vergleichsgruppe (d = 1,45, ein großer Effekt), und auch ein halbes Jahr später schalteten die Teilnehmenden nach der Arbeit besser ab.

Einige Bausteine lassen sich in Zeugniswochen selbst anwenden: keine Korrektur und keine Dienst-Mails im Bett, aufstehen, wenn Sie lange wach liegen, und eine feste Aufstehzeit auch nach einer kurzen Nacht. Ob diese Regeln allein so viel bewirken wie das ganze Training, ist offen. Die Schlafrestriktion aus dem Training, bei der die Zeit im Bett bewusst knapp gehalten wird, gehört dagegen nicht in die Selbsthilfe. Schlafen Sie über Wochen schlecht, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Teilweise belegt: Achtsamkeit, Erholung, Umdeuten, Fallberatung

Achtsamkeitsprogramme für Lehrkräfte zeigten in einer Meta-Analyse von Klingbeil und Renshaw (2018) mit 29 Studien im Schnitt eine mittlere Wirkung. Es gab aber Hinweise, dass Studien mit schwachen Ergebnissen seltener veröffentlicht wurden, der wahre Wert liegt also vermutlich darunter. Ob drei Minuten Atemübung vor einer schwierigen Stunde für sich etwas bewirken, lässt sich daraus nicht ablesen. Macht die Übung Sie unruhig, lassen Sie sie weg.

Ein festes Erholungsritual nach Dienstschluss ist teilweise belegt, durch ein kurzes Training mit Beschäftigten verschiedener Organisationen, nicht gezielt mit Lehrkräften. Dass Umdeuten Ärger verändert, stammt aus Laborforschung, ebenfalls ohne Lehrkräfte: „Er provoziert mich“ wird zu „Er testet, ob die Regel heute gilt“. Für angeleitete Gruppen gibt es eine Studie mit Lehrkräften: In einer randomisierten Studie mit 337 Lehrkräften aus Südwestdeutschland berichteten diejenigen, die mindestens die Hälfte von zehn Sitzungen einer psychologisch moderierten Coachinggruppe besuchten, weniger emotionale Erschöpfung (Unterbrink und Kollegen, 2012). Der Hauptbefund beruht auf diesen regelmäßig Teilnehmenden, was ihn schwächt. Auf eine selbst organisierte Fallberatung im Kollegium lässt er sich nicht direkt übertragen.

Praxiserfahrung: Korrektur, Mails, Neinsagen

Gerade für die Dinge, die im Alltag am meisten Zeit kosten, gibt es keinen eigenen Wirksamkeitsnachweis: wie viel Rand eine Klassenarbeit bekommt, wann Elternmails gelesen werden, wie man eine Zusatzaufgabe ablehnt. Selbstbehauptung kam zwar als Baustein größerer Programme für Lehrkräfte vor, für einzelne Sätze wie die folgenden sagt das aber wenig. Sie gehören trotzdem auf die Liste, weil sie sofort Zeit freimachen und schnell zeigen, ob sie passen. Eine Rückmeldung mit festem Schwerpunkt statt vollem Rand, ein festes Antwortfenster für Elternmails und ein vorbereiteter Satz für den Flur kosten jeweils wenige Minuten.

Für das Neinsagen hilft ein Satz, der Bedenkzeit verschafft: „Ich sage nichts zu, bevor ich in meinen Kalender geschaut habe. Du hörst morgen von mir.“ Und einer, der den Preis nennt: „Das übernehme ich, wenn dafür der Förderkurs im zweiten Halbjahr an jemand anderen geht. Können wir das so festhalten?“ Für Dienstpflichten wie die Aufsicht laut Plan gilt das nicht, dort lässt sich nur über die Verteilung sprechen.

Was keine Methode leisten kann

Ein Buch oder eine Webseite zu lesen, ändert allein wenig. Wirksamer ist, was geübt wird. Nehmen Sie deshalb eine Methode für die Lage, die am meisten drückt, und probieren Sie sie zwei Wochen. Was danach kaum noch Zeit kostet, bleibt, sonst tritt die nächste an ihre Stelle. Mehr als drei auf einmal braucht kaum jemand, und an Tagen mit Zeugniskonferenz darf auch die eine ausfallen.

Einiges löst auch die beste Übung nicht: Vertretungsstunden für eine unbesetzte Stelle, doppelt auszufüllende Formulare, eine Klasse ohne zweite Kraft. Fehlt Ihnen nach fünf zusätzlichen Vertretungsstunden in zwei Wochen die Kraft, liegt das nicht an mangelnder Haltung. Solche Lasten gehören mit Zahlen zur Schulleitung, in Deutschland auch zum Personalrat, notfalls als Überlastungsanzeige. Und wenn Erschöpfung über Wochen anhält, ist der nächste Schritt die Hausarztpraxis, nicht die nächste Methode.

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Quellen