Korrigieren ohne Wochenende: Wie geht das?
Planen Sie Korrekturen wie Unterricht: alle Arbeiten des Halbjahrs auf ein Blatt, Spitzenwochen markieren, Termine verschieben, solange die Klasse sie noch nicht kennt. Korrigieren Sie mit einem festen Schwerpunkt und einer Minutenzahl pro Arbeit, ersetzen Sie lange Randkommentare durch ein kurzes Raster. Wo Wochenendarbeit bleibt, bekommt sie ein Fenster mit Endzeit an nur einem Tag.
Warum landet die Korrektur am Wochenende?
In der Berliner Arbeitszeitstudie 2023/24, in der Lehrkräfte ein ganzes Jahr lang ihre Arbeitszeit erfassten, kamen in einer durchschnittlichen Schulwoche, umgerechnet auf eine volle Stelle, am Samstag eine Stunde und vierzig Minuten Arbeit zusammen, am Sonntag zwei Stunden und achtundzwanzig Minuten. Bei 30 % der teilnehmenden Vollzeitlehrkräfte lag die durchschnittliche Schulwoche über 48 Stunden, an Gymnasien bei 35 %. Für Korrekturen brauchten Lehrkräfte mit Sprachfächern signifikant mehr Zeit als die Vergleichsgruppen. Die Teilnahme war freiwillig, die Zahlen sind also nur eingeschränkt repräsentativ.
Dazu kommt ein Mechanismus: Eine Dienstbesprechung hat eine Uhrzeit, eine Klausur nur eine Rückgabefrist. Kommt eine neue Aufgabe dazu, weicht deshalb meist die Korrektur, und sie wandert in die Zeit, in der nichts anderes festgelegt ist, also an den Abend und ans Wochenende. Wie viele Arbeiten ein Fach schreibt und wie groß die Lerngruppen sind, steht fest, bevor Sie die erste Arbeit stellen. Was Sie beeinflussen, ist, wann die Arbeiten anfallen und wie viel Zeit jede bekommt.
Wie viel Zeit bekommt eine Arbeit?
Rechnen Sie, bevor Sie die erste Arbeit aufschlagen: Zahl der Arbeiten mal Minuten aus dem letzten Durchgang. 21 Oberstufenklausuren zu je 47 Minuten sind über 16 Stunden, dazu 26 Klassenarbeiten zu je 16 Minuten, zusammen gut 23 Stunden in einer Woche. Fehlt ein Erfahrungswert, stoppen Sie bei der ersten Arbeit die Zeit. Dann schreiben Sie zwei Zeilen unter die Rechnung: worauf Ihr Kommentar diesmal eingeht und eine neue Minutenzahl pro Arbeit. Ohne diese Zahl bekommt jede Arbeit so viel Zeit, wie der Abend übrig lässt.
Schreiben Sie die Endzeit oben auf den Erwartungshorizont. Ist sie erreicht, lesen Sie zu Ende, markieren mit den üblichen Zeichen und setzen Note und einen Satz „Als Nächstes“, aber keinen weiteren Randkommentar. Arbeiten, deren Note auf der Kippe steht, kommen auf einen Extrapacken am Ende und bekommen dort die Zeit, die eine sorgfältige Bewertung braucht. Wie gut belegt? Praxiserfahrung. Eine Studie mit Lehrkräften dazu ist nicht bekannt, ein einziger Packen reicht zum Ausprobieren.
Wie sehen Sie Korrekturspitzen Wochen vorher?
Die meisten Spitzen sind sichtbar, sobald die Termine feststehen, an vielen Schulen schon im September. Ein Korrekturplan fürs Halbjahr kostet beim ersten Anlegen rund zwanzig Minuten:
- Alle Klassenarbeiten und Klausuren des Halbjahrs nach Kalenderwochen eintragen, mit Lerngruppe und Art der Arbeit.
- Stunden schätzen: Zahl der Arbeiten mal Minuten pro Arbeit.
- Spitzen markieren, also Wochen, in denen zwei Packen zusammenkommen. Zeugniskonferenzen und Elternsprechtage gehören mit hinein.
- Für die Wochen nach jeder Arbeit Korrekturfenster eintragen, mit Tag, Dauer und Ort. Freistunden zählen mit.
- Vor jedem Rückgabetermin ein Fenster als Puffer frei lassen.
- Prüfen, welche Termine sich verschieben lassen, am leichtesten, bevor die Klasse den Termin kennt. Ein Satz dafür: „Kann die 7c ihre Arbeit zwei Wochen später schreiben? Die Unterrichtseinheit lässt das zu.“
Was ersetzt den vollgeschriebenen Rand?
Ob jemand die Randbemerkungen auf Seite drei liest, sehen Sie bei der Rückgabe: Meist geht der Blick zuerst zur Note und dann zum Kommentar am Ende, wenn er kurz ist. Eine Rückmeldung hat gute Chancen, gelesen zu werden, wenn sie kurz ist, eine gelungene Stelle nennt, einen nächsten Schritt für die nächste Arbeit enthält und zurückkommt, solange die Klasse sich an die Aufgabe erinnert.
Praktisch heißt das: Legen Sie vor dem ersten Blatt ein oder zwei Schwerpunkte aus der Unterrichtseinheit fest, und nur darauf geht der Kommentar ein. Statt Randtext gibt es ein Raster mit vier bis sechs Kriterien, je angekreuzt mit „sicher“, „teilweise“ oder „noch nicht“, dazu zwei Sätze: „Das gelingt schon: …“ und „Als Nächstes: …“. Das kostet zwei bis drei Minuten pro Arbeit. Bei der Rückgabe übertragen alle ihren Satz „Als Nächstes“ ins Heft.
Die Korrekturzeichen Ihrer Schule und die Note nach Erwartungshorizont bleiben, wie sie sind. Wo für eine Arbeit ein ausführliches Gutachten vorgeschrieben ist, ersetzt das Raster es nicht. Ob es Vorgaben gibt, wie vollständig eine benotete Arbeit angestrichen sein muss, sagen Ihnen Fachkonferenzleitung oder Schulleitung. Bei Hausaufgaben und Übungen genügt es, nur die Fehler zum geübten Punkt anzustreichen.
Und wenn das Wochenende doch nötig ist?
Ganz ohne Wochenendarbeit kommen viele Wochen nicht aus. Ein Vorsatz wie „am Wochenende nie“ hilft dann wenig: Bricht er einmal, gibt es keine Grenze mehr, und die Arbeit verteilt sich wieder über beide Tage, ein Stück nach dem Frühstück, der Rest am Abend, und der Stapel liegt den ganzen Tag offen. Geben Sie der Arbeit stattdessen ein Fenster mit Anfangs- und Endzeit, an einem der beiden Tage und immer am selben Platz. Am anderen Tag bleibt die Tasche zu.
Der Vormittag eignet sich meist besser als der Abend, denn der Abend hat kein natürliches Ende außer der Müdigkeit. Stellen Sie einen Wecker auf das Ende. Was dann noch liegt, kommt auf einen Zettel und in eine Freistunde der nächsten Woche. Eine Arbeit, die Ihnen am freien Tag noch einfällt, bekommt eine Notiz, keinen Griff in die Tasche. Wie gut belegt? Praxiserfahrung. Dass Arbeit in der Freizeit mit schlechterem Abschalten zusammenhängt, zeigt eine Meta-Analyse über viele Berufe (Wendsche und Lohmann-Haislah, 2017).
Was liegt nicht in Ihrer Hand?
Die Zahl der Arbeiten und die Größe der Lerngruppen. Ob Korrekturfächer bei der Verteilung von Aufsichten und Vertretungen berücksichtigt werden, lässt sich in der Gesamtkonferenz ansprechen, mit mehr Gewicht, wenn eine Fachschaft es gemeinsam tut: „Wir haben die Korrekturstunden fürs Halbjahr zusammengerechnet. Sollen wir die Zahl mit in die Gesamtkonferenz nehmen?“ Wer allein im Fach ist, nimmt die eigene Rechnung zur Schulleitung oder fragt den Personalrat, ob es eine Regel zur Entlastung von Korrekturfächern oder Abiturkorrekturen gibt.
Ohne Arbeitszimmer, am Esstisch zwischen Hausaufgaben der eigenen Kinder und Abendessen, kommt man in Zehn-Minuten-Etappen kaum voran. Dann gehört das Korrekturfenster in die Schule, in den leeren Klassenraum nach der letzten Stunde oder in eine Freistunde. In Teilzeit liegt die Korrekturzeit oft an unterrichtsfreien Tagen. Geben Sie ihr eine Uhrzeit für den Schluss, damit aus dem freien Vormittag kein Korrekturtag wird, der bis in den Abend reicht.
Weitere Fragen zum Thema Stress und Belastung
Quellen
- Mußmann u. a., Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften, Universität Göttingen: Arbeitszeit und Arbeitsbelastung von Lehrkräften an Berliner Schulen 2023/2024 (2025)
- Wendsche & Lohmann-Haislah: Antecedents and Outcomes of Employees’ Psychological Detachment from Work: A Meta-Analysis. Frontiers in Psychology 7:2072 (2017)